Schulprogramm

 

Das Schulprogramm der Röntgen-Schule


Vorwort

Das Schulprogramm der Röntgen-Schule konzentriert sich in klarer und knapper Form auf alle wesentlichen Aspekte der täglichen pädagogischen Arbeit. Es finden jene Bereiche Erwähnung, die für die gemeinsame Arbeit an unserer Schule relevant und zudem konzeptionell unterlegt sind. Das Kernstück des Schulprogramms ist das Leitbild der Schule. Es wurde in seiner derzeitigen Form zum Ende des Schuljahres 2013/2014 erarbeitet und beschlossen.

Das Schulprogramm ist in seiner Ausrichtung als pragmatisch zu bezeichnen. Vor dem Hintergrund unserer Schülerschaft und deren Heterogenität erachten wir es als unsere vorrangige Aufgabe, den Schülern all jene Kompetenzen zu vermitteln, die sie benötigen, um sich beruflich und gesellschaftlich integrieren zu können. Für jedes Kind besteht die Möglichkeit, es an unserer Schule anzumelden. Schlüsselqualifikationen, von der wir eine Aufnahme abhängig machen, fordern wir nicht.


Das Einzugsgebiet der Schule und deren Ausrichtung

Im Berliner Bezirk Neukölln leben insgesamt 310.000 Menschen. Im Gegensatz zum südlichen Teil des Bezirkes, wo Einfamilienhäuser und dreigeschossige Neubauten die Straßen säumen, prägen Mietskasernen und Hinterhöfe das nördliche Straßenbild. Der Anteil an Familien mit Migrationshintergrund ist in Neukölln hoch, an der Röntgen-Schule beträgt er ca. 93%.

Viele Familien leben an oder unterhalb der Armutsgrenze, entsprechend hoch ist auch die Zahl an lernmittelbefreiten Schülern unserer Schule. Als integrierte Sekundarschule mit einem Ganztagsangebot sind wir bemüht, keinen Schüler zurückzulassen. So erhält jedes Kind unserer Schule – sofern es dieses möchte - täglich eine warme Mahlzeit und ein reichhaltiges Angebot an außerunterrichtlichen Betätigungsfeldern.

 

Die Schul-Sozialpädagogik

Das Angebot der Schulsozialpädagogik unterscheidet drei Aufgabenbereiche, wir sprechen in diesem Zusammenhang auch von den drei Säulen:

  1. Die Schuldistanziertenarbeit

  2. Die Gemeinwesenarbeit

  3. Die Elternarbeit

Alle drei Bereiche kennzeichnet ein präventiver und aufsuchender Ansatz. Oft lassen die gesellschaftlichen Verhältnisse außerhalb der Schule jedoch keine Präventionsarbeit mehr zu, so dass man in der Regel von einer reaktiven Tätigkeit bzw. Ausrichtung sprechen muss. Die Sozialpädagogik der Röntgen-Schule ist in ihrer Konzeption eine Schnittstelle zwischen Schule auf der einen und Jugendhilfe (auch die der freien Träger) auf der anderen Seite zu verstehen. Sie ist in ihrer Arbeitsweise begleitend und sowohl für Schüler als auch Lehrer und Eltern in der Regel die erste Adresse bei der Klärung von Problemen der Beratung und der Bereitstellung von Unterstützungsangeboten.

Die Elternarbeit betont darüber hinaus eine Willkommenskultur, in der informell der Kontakt zu den Eltern gesucht und gepflegt wird. Die Schulsozialpädagogik ist ein integraler Bestandteil der Röntgen-Schule und wird entsprechend bei allen relevanten Fragen innerhalb der jeweiligen Gremien als festes Mitglied betrachtet. Die Zusammenarbeit des pädagogischen Personals ist inhaltlich und formal abgestimmt, es werden intern Erfassungs- bzw. Meldebögen verwendet und für externe Personen feste Sprechzeiten vorgehalten.


Das Ganztagskonzept

Im Zuge der Berliner Schulstrukturrefom wurde die Röntgen-Sekundarschule zu einer Ganztagsschule. In der Definition gelten wir als eine teilgebundene Ganztagsschule. Während wir für die 7. und 8. Klassen einen gebundenen Ganztagsbetrieb vorhalten, ist für die 9. und 10. Klassen das Angebot offen organisiert. Dies bedeutet, dass die Angebote ab der 9. Klasse von Seiten der Schüler nicht mehr verpflichtend wahrgenommen werden müssen. Zu unserem Ganztagskonzept gehört ein einstündiges Mittagsband, in dem die Schüler eine halbstündige Essenszeit und anschließende Zeit zur freien Verwendung zur Verfügung gestellt bekommen. Insgesamt runden ca. 30 verschiedene außerunterrichtliche Angebote das Ganztagsangebot der Schule ab.


Das Mittagsessen wird in der Schule durch einen eigenen Koch und weiteres Küchenpersonal täglich frisch zubereitet. Dabei wird auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung geachtet. Auf die Zubereitung von Schweinefleisch wird aufgrund des hohen Anteils muslimischer Schüler verzichtet. Wir sind Mitglied des Berliner Netzwerkes ´Ganztägig Lernen´ und beteiligen uns aktiv an der Weiterentwicklung der Berliner Ganztagsschule.



Leitbild der Röntgen-Schule

Das schulprogrammatische Leitbild der Röntgen-Schule stellt den Schüler hinsichtlich seiner

     - Persönlichkeitsentwicklung,

     - Gesellschaftsfähigkeit,

     - Ausbildungsfähigkeit

in den Mittelpunkt seiner Betrachtung. Bewertbar bzw. erkennbar wird die Qualität und Aussagekraft des Leitbildes anhand

 

    - der Berufs- und Studienorientierung,

    - des respektvollen Umgangs mit Mitmenschen in bekannter und unbekannter Umgebung,

    - der Verantwortungsbereitschaft jedes einzelnen Schülers dieser Schule.

 

Die pädagogische Herausbildung des Leitbildes im Schulalltag erfolgt auf 4 Ebenen, die zueinander in einer wechselseitigen Beziehung stehen und sich ergänzen:

     1. Ebene: Soziales Lernen,

     2. Ebene: Unterrichtsqualität,

     3. Ebene: Kulturelle Bildung,

     4. Ebene: Duale Bildung.


1. Ebene: Das soziale Lernen

Das soziale Lernen bildet die Grundlage unserer Arbeit und prägt das Schulklima nachhaltig. Bereits in der 7. Klasse durchlaufen mit dem Beginn des Schuljahres alle Schüler klassenweise einen einwöchigen Lehrgang, in dem es darum geht, ein Gemeinschaftsgefühl zu stärken und Verschiedenheit als Chance zu begreifen.


Der Klassenrat greift diese und andere Themen in aller Regelmäßigkeit wieder auf, um die Kompetenz der Schüler zu stärken und Unstimmigkeiten untereinander zu minimieren. Die Einbeziehung der Eltern im Rahmen der aktiven aufsuchenden Elternarbeit (siehe Konzept Elternarbeit) ist auch in dieser Frage aus systemischer Betrachtung heraus für uns unabdingbar. Die Ausbildung von Streitschlichtern im Sinne des Peergroup- Ansatzes ist ein erklärtes Ziel.


2. Ebene: Die Unterrichtsqualität

Das schulinterne Curriculum der Schule (siehe schulinternes Curriculum) ist Ausgangspunkt aller Betrachtungen von Schulqualität. Darauf aufbauend ist es ein grundsätzliches Anliegen des Lehrkörpers, die durchgängige Leistungsbereitschaft auf Seiten der Schülerschaft nachhaltig herzustellen. Neben der individuellen Förderung sind die Sprachförderung (siehe Sprachförderkonzept der Schule), der schülerzentrierte Unterricht und eine adressatenbezogene Binnendifferenzierung (siehe Differenzierungskonzept der Schule) Eckpunkte der unterrichtlichen Arbeit.


Im Zuge der Inklusion stellt insbesondere die sonderpädagogische Förderung jener Schüler eine Herausforderung dar, die ein Anrecht auf einen inklusiven Unterricht und einen adressatenbezogenen Abschluss besitzen. Hier gilt es in den nächsten Jahren ein Konzept zu erarbeiten, das sowohl den Lehrkräften als auch den Schülern hinsichtlich ihrer Möglichkeiten und ihrer Bedürfnisse gerecht wird.


3. Ebene: Die Kulturelle Bildung

Als teilgebundene Ganztagsschule sehen wir uns der kulturellen Bildung geradezu verpflichtet. Mithilfe eines Netzwerkes bestehend aus Künstlern, Vereinen, Trägern und bezirklichen Schulen unterbreiten wir den Schülern musikalische und künstlerische Angebote, die über das Maß des Fachunterrichtes hinausgehen. In Zusammenarbeit mit den Young Arts der Jugendkunstschule Neukölln gibt es darüber hinaus auch unterrichtliche Verflechtungen, in deren Genuss Schüler aller Jahrgänge kommen. Alle verwertbaren Ergebnisse werden jedes Jahr auf dem Kulturtag der Schule präsentiert.

In Form eines Programms präsentieren zu diesem Anlass Schüler Mitschülern Erlerntes in den unterschiedlichsten künstlerischen Formaten. Auf dieser Ebene findet die Stärkung des Selbstwertgefühls, die Anregung zur Selbstständigkeit und die Vermittlung grundlegender Kulturtechniken große Bedeutung, sind es doch nicht selten jene Schüler, die in diesem Bereich über Kompetenzen verfügen, die im klassischen Unterricht nicht zur Geltung kommen und die für die Herausbildung der Persönlichkeit unentbehrlich sind.


4. Ebene: Die Duale Bildung

Die Duale Bildung der Röntgen-Schule geht vom Leitfach WAT aus (siehe Konzept Duale Bildung). Unterrichtliche Angebote und außerunterrichtliche Projekte, begleitet durch berufsbildende Träger, ergänzen sich im Schulalltag und verfolgen das gemeinsame Ziel, die Schülerin und den Schüler zur Ausbildungsfähigkeit zu führen. Die Zahl der außerunterrichtlichen Angebote ist ritualisiert und aufeinander abgestimmt, so dass den Schülern in jedem Jahrgang ein altersgemäßes berufsorientierendes Angebot erwartet.



Der Berufswahlpass wird von der 7. bis zur 10. Klasse durchgängig verwendet, er dient sowohl der internen Dokumentation der geleisteten Arbeit, als auch der Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit (AA). Zwei verpflichtende Betriebspraktika, regelmäßige Berufsberatungen und inhaltlich ausgestaltete Kooperationen mit Oberstufenzentren runden das Gesamtbild ab.


Entwicklungsvorhaben der Schule

Im Zuge der Leitbilddiskussion wurden auf dem Studientag 2014 zwei Entwicklungsvorhaben vorgeschlagen und mehrheitlich verabschiedet.

Dabei handelt es sich um:

1. Bildung von autonomen, dem Schulprogramm verpflichteten Jahrgangsteams,

2. Inklusive Schule (Erarbeitung eines schulinternen Förderkonzeptes ´Lernen´).

Das erstgenannte Entwicklungsvorhaben wird gegenwärtig innerhalb des Kollegiums diskutiert und bearbeitet. Eine Arbeitsgruppe greift alle relevanten Fragen auf und plant gemeinsam mit der erweiterten Schulleitung die weiteren Schritte. Geplanter Beginn des ersten Vorhabens ist das Schuljahr 2016/2017.

Das zweite Entwicklungsvorhaben, die Erarbeitung eines Förderkonzeptes ´Lernen´, ist aus unserer Sicht eine unumgängliche Notwendigkeit, unterrichten wir doch inzwischen durchschnittlich 25 Kinder mit einem anerkannten Förderbedarf an unserer Schule. Bezieht man jene Schüler ein, die unübersehbare Leistungsdefizite besitzen, ist die Zahl derer, die einen speziellen Unterstützungsbedarf besitzen, deutlich höher.


Anpassung unterrichtlicher Prozesse

Der Unterricht in seiner übergeordneten Zielsetzung wird durch das Leitbild der Schule geprägt. Begleitet und inhaltlich konkretisiert wird der unterrichtliche Prozess durch:


  • das schulinternes Curriculum (unterschieden nach Schlüsselniveaustufen),

  • das Sprachförderkonzept (ritualisierte Arbeitsweisen in jedem Fachunterricht),

  • das Differenzierungskonzept (unterschieden nach Fächern und Jahrgängen),

  • das Trainingsraumkonzept (erzieherische Methode nach Balke).


Die genannten Konzepte sind schriftlich hinterlegt und als Anhang des Schulprogramms zu betrachten. Die Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaftwird zum Schuljahr 2016/2017 einen neuen Rahmenplan veröffentlichen. Dies hat zur Folge, dass das schulinterne Curriculum und das Differenzierungskonzept dem neuen Rahmenplan angepasst werden müssen. Die Erarbeitung eines Förderkonzeptes ´Lernen´ wird im Zuge der Anpassung ein Thema sein.


Temporäre Lerngruppe

Die temporäre Lerngruppe bietet Schülern einen Schonraum, die sowohl hinsichtlich ihrer Leistung als auch ihres Verhaltens als retardiert bezeichnet werden können. Im Einvernehmen mit den Eltern gibt es ein abgestimmtes Verfahren, an dessen Ende die Aufnahme oder Ablehnung in diese besondere Lerngruppe steht. Kinder und Jugendliche der Klassen 7 und 8 der Röntgenschule werden für eine begrenzte Zeit in einer Kleingruppe von einem multiprofessionellen Team aus Lehrern und sozialpädagogischen Fachkräften gefördert und beschult. Dabei bleiben sie weiterhin Schülerinnen und Schüler der Röntgen-Schule. Ziel der Maßnahme ist die Reintegration in ihre Ursprungsklasse und das Erreichen eines adäquaten Schulabschlusses. Die temporäre Lerngruppe bietet ihnen eine Chance, die dafür notwendigen Fähigkeiten und Fertigkeiten in einem geschützten Rahmen weiter auszubauen und zu entwickeln. Reifungsphasen können nachgeholt und die Neugier auf die Welt und das Leben wieder entdeckt werden.



In enger Zusammenarbeit mit Eltern und Schule entstehen dabei neue Möglichkeiten und Perspektiven. Die Arbeit in der temporären Lerngruppe orientiert sich an zwei wesentlichen Aspekten: Der persönlichen und sozialen Entwicklung sowie der Vermittlung von Basiswissen für den erfolgreichen weiteren Schulbesuch.

Ausgehend von den schon vorhandenen vielfältigen Kompetenzen und Interessen unserer Schülerinnen und Schülern werden gemeinsam individuelle Ziele entwickelt und an ihrer Verwirklichung gearbeitet. Die temporäre Lerngruppe Rückenwind ist ein Kooperationsprojekt der Röntgenschule mit Pfefferwerk Stadtkultur gGmbH und dem Förderverein der Kurt Löwenstein Oberschule e.V. In der temporären Lerngruppe wird in besonderer Weise nach ETEP unterrichtet.


Evaluationsvorhaben

An unserer Schule finden interne und externe Evaluationsprozesse statt. Mit der internen Evaluation begleiten wir die Verbesserung der Unterrichtsqualität und die Überprüfung und Weiterentwicklung der im Schulprogramm festgeschriebenen Schulvorhaben. Explizite Evaluationsvorhaben sind die Einschätzung der Maßnahmen zur Sprachförderung und die Auswertung des Ganztags. Hierfür werden schriftliche und mündliche Befragungen durchgeführt. Die Auswertungen weiterer schulischer Vorhaben und der Kompetenzentwicklung bei unseren Schülern und Schülerinnen finden statt in den regelmäßig tagenden Jahrgangsteams, Fachkonferenzen und weiteren Gremien. Die zukünftigen Entwicklungsvorhaben der Schule werden durch eine Evaluation begleitet. Einige Kolleginnen und Kollegen haben bereits eine Selbstevaluation ihres Unterricht durch die von ihnen unterrichteten Schülerinnen und Schüler über das ISQ-Portal durchgeführt, andere werden dies im Laufe der nächsten beiden Jahre tun. Extern wurde die Schule 2012 durch die Schulinspektion evaluiert.